Hilfe annehmen – aber wie viel ist eigentlich gut für mich?


Gerade am Anfang mit dem Rollstuhl stehst du ständig vor der gleichen Frage: Soll ich mir helfen lassen – oder schaffe ich das selbst? Zwischen Selbstständigkeit und Unterstützung die richtige Balance zu finden, ist gar nicht so einfach. In diesem Artikel erfährst du, wann Hilfe sinnvoll ist, wann du bewusst selbst aktiv bleiben solltest – und wie du deinen ganz persönlichen Weg dazwischen findest.


Das Dilemma: Zwischen Stolz und Erleichterung

Kennst du das? Du stehst vor einer kleinen Schwelle.
Eigentlich machbar. Irgendwie. Vielleicht.
Und dann kommt schon jemand:
„Soll ich helfen?“
Und in deinem Kopf passiert alles gleichzeitig:

  • „Ja bitte!“
  • „Nee, ich will das allein schaffen!“
  • „Was denken die jetzt?“
  • „Bin ich zu stolz?“

Willkommen im Klassiker 😄


Wann Hilfe absolut sinnvoll ist

Spoiler: Hilfe ist nichts Schlechtes. Punkt.
Es gibt Situationen, da macht es einfach Sinn, Unterstützung anzunehmen:
Wenn es um Sicherheit geht
(z. B. steile Rampen, unübersichtliche Situationen)

  • Wenn du deine Kräfte einteilen musst
    → Energie ist begrenzt – und kostbar
  • Wenn es deutlich schneller oder entspannter geht
    → Alltag darf auch leicht sein
  • Wenn du etwas (noch) nicht kannst
    → „Noch nicht“ ist hier das wichtige Wort 😉


👉 Hilfe annehmen heißt nicht, dass du etwas nicht kannst.

Es heißt, dass du klug entscheidest.


Wann du bewusst selbst machen solltest
Jetzt kommt die andere Seite – genauso wichtig.
Denn: Selbstständigkeit entsteht nur durchs Tun.
Du solltest Dinge selbst machen, wenn:

  • du sie grundsätzlich schaffen kannst
  • du lernen oder besser werden willst
  • du dein Selbstvertrauen stärken möchtest
  • es keine Gefahr darstellt

👉 Ja, es dauert manchmal länger.
👉 Ja, es sieht vielleicht nicht elegant aus.
Aber genau da passiert Entwicklung.


Die größte Falle: Zu viel Hilfe

Klingt erstmal komisch – ist aber real.
Wenn dir ständig alles abgenommen wird:

  • verlierst du Übung
  • verlierst du Vertrauen in dich selbst
  • wirst du abhängiger, als du eigentlich bist

Und das passiert oft ganz unbewusst – auch durch gut gemeinte Hilfe.
👉 Deshalb darfst du auch sagen:
„Danke, ich probier’s selbst.“


Und die andere Falle: Alles alleine machen wollen

Das Gegenteil gibt’s natürlich auch 😅

  • Du kämpfst dich durch Situationen
  • bist danach völlig erschöpft
  • oder riskierst sogar Verletzungen

Nur um dir selbst zu beweisen:
„Ich schaff das alleine.“
👉 Aber mal ehrlich:
Selbstständigkeit heißt nicht, alles allein zu machen.
Sondern selbst zu entscheiden, wann du Hilfe nutzt.

Persönliche Anmerkung
Am Anfang meiner Rollstuhlzeit war ich der König.
Ich wollte alles schaffen und schaffte es auch. Damals ein Teil meiner Verarbeitung: "ICH lasse mich nicht unterkriegen"! Im Nachhinein betrachtet ein bisschen bescheuert da dadurch nicht mehr weggehende Gelenkprobleme in den Ellenbogen entstanden sind. Das Ding nennt sich "jahrelange Gelenküberlastung".
Wusste mein damaliges Ich jedoch noch nicht. Mein Rat an dich:
Lass es nicht so weit kommen 💕!


Lies hierzu auch gerne den Artikel zu "Reaktanz"!

Die richtige Balance finden


Jetzt die wichtigste Frage:
Wie finde ich MEINEN Weg?
Hier ein einfacher Leitfaden:


1. Check die Situation

  • Ist es sicher?
  • Wie viel Energie kostet mich das?

2. Check dein Ziel

  • Will ich gerade lernen?
  • Oder einfach nur entspannt durch den Tag kommen?

3. Check dein Gefühl

  • Fühlt sich Hilfe gerade gut an?
  • Oder eher wie „zu viel“?

👉 Und dann entscheidest du.
Nicht die anderen. Du.


Ein Satz, der dir helfen kann

Wenn du unsicher bist, merk dir das hier:
👉 „Ich darf Hilfe annehmen – und ich darf sie auch ablehnen.“
Beides ist vollkommen okay.


Fazit: Es geht nicht um richtig oder falsch

Es gibt keine perfekte Lösung.
Manchmal brauchst du Hilfe.
Manchmal willst du es alleine schaffen.
Manchmal ändert sich das sogar täglich.
Und genau das ist normal.
👉 Du bist nicht weniger selbstständig, weil du Hilfe annimmst.
👉 Und nicht stärker, nur weil du alles allein machst.
Stark bist du, wenn du bewusst entscheidest.

 
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