Aus dem Rollstuhl aufstehen – die Königsdisziplin im Kopf
Darf man als Rollstuhlnutzer eigentlich aufstehen und ein Stück laufen? Viele Betroffene kennen diesen inneren Konflikt zwischen körperlicher Möglichkeit und gesellschaftlichen Erwartungen. Dieser Beitrag räumt mit einem der größten Missverständnisse rund um den Rollstuhl auf: Nicht jeder, der rollt, ist gehunfähig. Erfahre, warum Aufstehen völlig normal ist, was hinter dem Begriff „Mixed User“ steckt und warum du dir selbst mehr vertrauen darfst als den Blicken anderer.
Du kommst gerade vom Einkaufen.
Oder bist zurück am Auto.
Vielleicht stehst du vor einer kleinen Treppe.
Dein Körper sagt:
👉 „Steh auf und lauf das Stück.“
Dein Verstand sagt:
👉 „Ja, mach doch.“
Und dann kommt dein Kopf um die Ecke:
👉 „Äh… geht’s noch? Erst Rollstuhl – und jetzt laufen? Was sollen die Leute denken?!“
Ich sag dir ganz klar: Lauf.
Ganz ehrlich: Dieses Thema ist weniger ein körperliches – und viel mehr ein mentales.
Denn da draußen hält sich hartnäckig ein Mythos:
👉 Wer im Rollstuhl sitzt, kann nicht laufen.
Klingt logisch. Ist aber schlicht falsch.
Die Realität?
Die meisten Rollstuhlnutzer können laufen.
Nur eben nicht immer. Nicht weit. Nicht sicher. Nicht schmerzfrei. Nicht dauerhaft.
Und genau deshalb gibt es den Rollstuhl.
Die Gründe dafür sind vielfältig:
Multiple Sklerose, Arthrose, Fatigue, neurologische Erkrankungen, Gelenkinstabilität, chronische Schmerzen, ein Schlaganfall, Verletzungen… die Liste ist lang.
Ja – es gibt auch Querschnittslähmungen.
Und ja – das ist eine der wenigen Ursachen, bei denen Laufen unter Umständen gar nicht mehr möglich ist.
Aber das ist eben nicht die Regel.
Die Wahrheit ist:
Viele bewegen sich zwischen zwei Welten.
Mal rollen.
Mal laufen.
Der Fachbegriff dafür: Mixed User.
Im Alltag sagt man auch: Teilzeit-Rollstuhlfahrer.
Siehe dazu auch dieses Video bei Youtube von mir:
Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:
👉 Du bist nicht komisch, wenn du aufstehst.
👉 Du bist nicht auffällig.
👉 Du bist einfach nur einer von vielen.
Das Problem sitzt nicht in deinen Beinen.
Sondern in den Köpfen anderer.
Und ja – vielleicht schauen Leute.
Na und?
Lass sie gucken.
Und wenn jemand fragt?
Perfekt. Dann hast du die Chance, aufzuklären.
Denn genau so verändert sich Denken.
Also nochmal, ganz einfach:
Wenn dein Körper sagt „steh auf“ – dann steh auf.
Nicht für die anderen. Sondern für dich.
👉 Raus aus dem Ding und losgelaufe
Persönliche Anmerkung von mir:
Ich habe mich mittlerweile an die Blicke der Anderen gewöhnt wenn ich vom Rollstuhl aufstehe und laufe.
Am Anfang ist es noch nervig (Siehe auch hier: Spotlight Effekt).
Doch du wirst dich daran gewöhnen (Siehe dazu hier: Mere Exposure). Mach dir kene Sorgen was andere denken. Mache das, was DIR guttut!

